Wildbienen lieben Vielfalt
Ein wahrer Augenschmaus

Genau beobachten und daraus lernen

Falls Sie meine Artikelreihe Ein Insektenhotel selbst bauen gelesen haben, wissen Sie bereits, dass das erste Hoteljahr erfolgreich zu Ende ging. Allerdings ersah ich aus der Belegung, dass einige Lochgrößen noch frei waren. Möglicherweise gibt es in der nahen Umgebung keine passenden Bewohner dafür, daran lässt sich nicht viel ändern. Es kann aber auch sein, dass nicht das richtige Futter im Umkreis vorhanden ist, dagegen können wir sehr wohl etwas tun.

Bau eines „Restaurants“ für die Bienen direkt vor ihrer Herberge

Die richtige Maßnahme zur Erweiterung des Futterangebots ist die Neuanlage eines Wildblumenbeets als lebhaften Klecks in einem sonst monotonen Spielrasen. Spätestens jetzt dürfte sich bei vielen Besitzern gepflegter Rasen Widerstand regen, denn eine Wildblumenwiese sieht ja nur während der Blüte „ordentlich“ aus, und beim Rasenmähen müsste ja umständlich drumherum gefahren werden. Mit ein bisschen Kompromissbereitschaft und einem kleinen Trick kommen wir dennoch zu einer ansehnlichen Lösung. Das Zauberwort heißt: Doppelbelegung!

Doch zunächst die Formgebung und Aussaat

Wir beginnen auf dem Rasen eine harmonische und elegante Form auszustechen, in meinem Fall die Form eines gebogenen Tropfens, und entfernen den Rasen sowie Wurzelteile komplett. Ein langes Seil hilft bei der Formgebung. So erhalten wir eine dunkle Fläche, die sich schon sehr schön gegen den grünen Rasen abhebt. Zusätzlich, aus optischen aber auch praktischen Gründen, legen wir einen ca. 50 cm breiten Rand um die Wildblumenwiese fest und schneiden dort den Rasen sehr kurz. Jetzt sieht das Ganze schon mehr nach einer gewollten Anlage aus, und da man später die Wildblumenwiese sehr oft besucht, um sich daran zu erfreuen und um zu beobachten, leidet der sehr kurze Rasen nicht darunter.

Jetzt ziehen wir noch einmal mit der Harke fein über die dunkle Erde und säen dann die Blumenmischung gleichmäßig ein. Da meine Blumenwiese nur ein paar Quadratmeter groß ist, reicht eine von diesen runden Dosen, die überall im Frühjahr in Gartencentern, Baumärkten und Discountern angeboten werden.

Da eine solche Aussaat-Aktion Gartenvögeln nicht verborgen bleibt, streue ich gleich danach eine dünne Schicht Sägespäne darüber, das erschwert den Vögeln den direkten Zugriff auf das Saatgut und bindet gleichzeitig Feuchtigkeit, was in der Keimzeit sehr von Vorteil ist. Wer die Farbe der Sägespäne nicht ansehen mag, streut ganz leicht etwas Erde darüber. Prinzipiell soll die Saat aber nicht von Erde verdeckt werden. Gedüngt wird in keinem Fall: Wilde Vielfalt braucht kargen Boden!

Der Doppelbelegungs-Trick

Die Wildblumenwiese wird je nach Wetterlage im Mai gesät, schon nach ca. einem Monat blüht sie. Bis hin zum ersten Frost kann die Blütezeit reichen. Im Herbst stecken wir dann das ganze Feld voller Frühblüherzwiebeln, Schneeglöckchen, Winterlinge, Krokusse oder frühe Wild- oder Sterntulpen – alles was früh blüht und möglichst auch zur selben Zeit verblüht, so dass, wenn die Wildblumenwiese eingesät wird, die vertrockneten Blätter der Frühjahrsblumen abgenommen werden können.

So haben wir schon im zeitigen Frühjahr einen „Hingucker“ und bieten den ersten Wildbienen gleich die richtige Stärkung, wenn sie ihre Hotelzimmer verlassen. Die im Boden verbleibenden Zwiebeln stören nicht und warten pflegeleicht auf ihren nächsten Einsatz. Bevor man die Wildblumensaat ausbringt, ist auch darauf zu achten, dass andere Wildpflanzen, besonders staudenbildende Gräser, entfernt werden. Wildblumen brauchen diese Konkurrenten nicht. Der Name „Wildblumenwiese“ ist auch ein bisschen irreführend, denn Gräser sollten aussen vor bleiben, sie bieten unseren Wildbienen keine Nahrung. Eine Wildblumenmischung mit möglichst vielen Blumensorten ist zu bevorzugen – wichtig ist, dass auch viele Kleinblüter dabei sind. Es gibt einige sehr kleine Wildbienenarten, und die benötigen ihrer Größe entsprechende Blüten.

Die folgende Bildstrecke macht als Beispiel anschaulich, wie eine Wildblumenwiese angelegt werden kann. Beobachten Sie das Verhalten ihrer geflügelten „Hotelgäste“ mal genauer und überlegen dann, ob sie den Insekten zu ihrer Herberge nicht auch ein „Restaurant“ anbieten wollen …

Wildbienen lieben VielfaltSpielrasen vor BienenhotelAnlegen der WildblumenwieseRasen komplett entfernenLeicht mit Sägespänen abstreuenDas Restaurant hat geöffnetEin Blütenmeer vor dem Bienenhotel

16. Januar 2014 | | Spezial

Die Farbe ist die lauteste, zugleich zarteste, schönste und eindringlichste Sprache, die die Natur besitzt. Unbekannter Verfasser