Fertiges Entenbruthaus vor schöner Kulisse
Fertiges Entenbruthaus vor schöner Kulisse

Durchdachte Details für eine wohltemperierte Bruthilfe

Eine ältere Dame aus dem Bekanntenkreis wünschte sich ein Entenhaus, eine Bruthilfe für die heimischen Wasservögel. Nach einiger Recherche entschied ich mich für den Selbstbau, denn die meisten angebotenen Bruthäuser taugen allenfalls als Futterstellen für Krähen, Wasserratten oder Marder.

Das Schöne am Selbermachen ist, dass man seine Ideen und Wünsche genau so umsetzen kann wie man möchte. Man ist nicht angewiesen auf Serienproduktionen oder Produkte, die einem nicht gefallen oder, wie eingangs erwähnt, unvollkommen sind, denn die Brut soll unbehelligt von Beutegreifern gelingen. Weitere Bedenken betreffen die Temperierung des Baus – ist das Haus zu flach und steht zudem an einem ungünstigen Standort, kann Stauwärme im Inneren des Kastens eine akute Gefahr für den Entennachwuchs darstellen.

Meine Konstruktion basiert nunmehr in Grundzügen auf einem Bauvorschlag für einen krähensicheren Stockentenkasten, der mal in einer Jägerzeitschrift beschrieben war; allerdings erweiterte ich das Prinzip um einige raffinierte Details.

Warum überhaupt einen Entenbrutkasten bauen?

Viele Seegrundstücke sind zu aufgeräumt und deren bebaute Uferstreifen bieten keinen Platz mehr für natürliche Brutplätze. Ebenso ist es eine gute Möglichkeit Kindern und Jugendlichen die Natur näher zu bringen und ihnen rechtzeitig ein Gefühl dafür zu vermitteln, wie schutzbedürftig die Natur mit ihren Pflanzen und Tieren geworden ist. Sensibilität und Verantwortung unseren tierischen Mitbewohnern gegenüber ist Kindern unbedingt nahe zu bringen, denn sie lernen nicht von dem was man ihnen sagt, sondern von dem, was wir ihnen vorleben. Viele der Arbeiten bei diesem Vorhaben können leicht von Kindern bewältigt werden. Bei den „Großen“ mitzuhelfen etwas Schönes zu bauen kann schon eine tolle und spannende Sache sein.

Die baulichen Besonderheiten und Details

Die Abmessungen der Grundfläche betragen ungefähr 60 x 75 cm, die gesamte Höhe liegt bei 90 cm und das Anflugbrett ragt etwa 60 cm heraus. Das Haus an sich ist aus mehreren Rahmen zusammengesetzt und verschraubt. Das zweischichtige Dach mit den Lüftungskanälen und den Schindeln wird als ein Element zusammengesetzt und einfach zwischen die Giebel eingefügt.

Am Anfang war diese Skizze

Als Material für die Wandungen dienen Bretter aus Lärchenholz, 150 mm breit und 23 mm stark, während die oberen Dachplatten und die Aufnahme des Pfahles auf der Unterseite des Bruthauses aus wasserfest-verleimten Multiplex-Platten bestehen. Nichtrostende Schrauben, Lochbleche und Schwerlastwinkel halten das Haus zusammen und als Bedachung habe ich Schindeln aus faserverstärkter und grob-besandeter Dachpappe gewählt. Ein Anstrich mit Leinölfirnis schützt das Holz von außen. Leinölfirnis härtet zwar sehr lange aus, ist dafür aber ökologisch und gesundheitlich unbedenklich und lässt das Holz „atmen“.

Ein Vorbau am Eingang, der sich nach innen als seitlicher Blickschutz fortsetzt, verhindert, dass Krähen direkt das Gelege erreichen können – zudem, so heißt es, wagen sich die schwarzen Vögel ungern in dunkle Räume vor. Da das Bruthaus dann noch anderthalb-geschossig konstruiert ist, das Nest also tiefer liegt, befindet sich das Gelege ausserhalb der Sichtachse von Eindringlingen.

Der Gefahr, dass sich das Entenhaus zu stark erwärmt, begegne ich zum einen durch einen höheren Innenraum, denn Wärme steigt nach oben, zum anderen sorgt ein doppeltes Dach mit vielen Lüftungskanälen zwischen Überdach und dem passend eingesetzten Unterdach für eine gute Isolierung. Stauwärme wird vermieden durch 4 gebohrte Löcher (20 mm) unterhalb des Unterdach-Firstes; warme Innenluft kann dadurch mit der vorbeiströmenden Luft in den Lüftungskanälen abgeleitet werden, das Prinzip ist dem Kamineffekt nicht unähnlich.

Enten tragen kein Nistmaterial zusammen, daher kann man gerne eine passende Menge Stroh als polsternde Unterlage an die Gelegestelle drapieren. Wenn der Zeitpunkt gekommen ist, dass die flügge-werdenden Entenjungen nach draußen streben, dann sollte die „Innentreppe“ kein Hindernis darstellen, daher der flache Anstiegswinkel.

Der montierte Kasten hat, bedingt durch das massive Lärchenholz und die Bedachung, schon ein nicht unerhebliches Gewicht. Daher habe ich das Entenbruthaus so konzipiert, dass es in einzelnen Elementen vor Ort zusammengeschraubt und aufgestellt werden kann – einer mittelkräftigen Person sollte das problemlos gelingen. Bei der Auswahl des Pfahles (Länge und Durchmesser) sollte man die Belastung durch Gewicht, Wellengang und Untergrund genauestens prüfen und berücksichtigen.

Einen idealen Platz finden

Der Standort ist in diesem Beispiel so gewählt, dass eine große Weide die Mittagshitze durch Abschattung mildert aber der Abstand zum Baum groß genug ist, dass kein Marder aus dem Geäst auf das Bruthaus springen kann. Um auch Wasserratten den Raubzug zu erschweren, ist der Pfahl des Entenhauses im oberen Bereich rundherum mit einer Teichfolie versehen, dessen glatte Oberfläche sollte unerwünschte Kletterversuche unterbinden.

Zur Verdeutlichung folgt nun eine Bilderreihe mit den wichtigsten Bauabschnitten. Übrigens: ein Entenbruthaus, sorgfältig und in netter Optik gefertigt, muss sich nicht verstecken, wenn es in Blickachse mit Skulpturen am Ufer eines gestalteten Gartens betrachtet wird – aber sehen Sie selbst …

Fertiges Entenbruthaus vor schöner KulisseDas untere Element, hochkantDer 2. Rahmen mit AussparungDas Anflugbrett mit StützeTreppenaufgang zum AnflugbrettEingangs- und Giebelelemente kommen hinzuDer Vorbau und das untere Dach sind eingepaßtUnterdach mit LüftungskanälenDie oberen Dachplatten sind verschraubtGiebelbretter begrenzen das DachEin Blick auf den UnterbodenDie Schindel-Bedachung ist fertigEine erste Interessentin inspiziert das EntenhausDas Entenbruthaus im Gegenlicht

22. Mai 2013 | | Spezial

Wem Mutter Natur ein Gärtchen gibt und Rosen, dem gibt sie auch Raupen und Blattläuse, damit er's verlernt, sich über Kleinigkeiten zu entrüsten. Wilhelm Busch