Ein gut behüteter Meisenknödel
Ein gut behüteter Meisenknödel

Die Winterfütterung für Vögel will wohlbedacht sein …

Vogelfutterhäuser haben, wie jedes Haus, üblicherweise ein Dach. Das dient dem dargebotenen Futter als Schutz vor Witterungseinflüssen und hält es somit trocken. Das versteht jeder, dennoch werden Meisenknödel bedenkenlos unbehütet im Freien aufgehängt, werden nass, gefrieren oder schimmeln – und niemand machte sich je Gedanken darüber, bis jetzt: Ich habe nun eine Bedachung erdacht, die viele Vorteile in sich vereint und zudem noch eine gute Figur macht.

Was mich bisher gestört hat

Vögel registrieren schon vor dem Winter, wo es geeignete Futterstellen gibt. Denn sind die kalten Tage erst einmal da, so ist die Nahrungsaufnahme am Morgen nach einer langen, eiskalten Nacht sehr wichtig. Gegen Nachmittag geht es dann noch einmal hoch her, wenn die Vögel sich vor der Nachtruhe noch einmal ordentlich sattfressen müssen.

Nun sind die Winter in unseren Breiten nicht durchgehend kalt. Bei Nässe und Temperaturen über Null Grad am Tage vereisen Meisenknödel während der Nachtfröste und die kleinen Vögel kommen morgens schlecht oder gar nicht an das Futter heran. Steigen die Tagestemperaturen dann wieder in den Plusbereich, kann das Fett der Knödel schimmeln und ist somit keine geeignete Nahrung mehr.

Ein weiteres Problem ist, dass Meisenknödel in spatzenreichen Gegenden regelrecht von den Sperlingen besetzt und in Windeseile vertilgt werden. Die zum Teil kleineren Meisen gehen leer aus oder müssen sich mit Resten begnügen. Eichhörnchen oder Rabenvögel entführen gerne auch mal ganze Knödel.

All das ist nicht Sinn der Sache. Ein Meisenknödel sollte daher vor Nässe geschützt sein und „entführungssicher“ angebracht werden können. Eine Möglichkeit für ein einfaches und schnelles Auswechseln der Knödel wäre auch nicht verkehrt.

Von der Theorie zur Praxis

Aus einem massiven Lärchenholzklotz drechselte ich einen kuppelartigen Deckel mit wulstigem Rand als unteren Abschluss, nach oben hin verjüngt sich das Objekt in sanften Radien und gipfelt in einer dekorativen Kugel. Innen wurde der Deckel tief ausgedreht, um für den Meisenknödel und seine Befestigung genug Platz zu bieten. Mein „Knödel-Dach“ ähnelt entfernt der Form eines Zuckerdosendeckels. Ein festerer Draht als Stange, mit einer Öse oben und offenem Haken unten, wird durch eine Bohrung senkrecht und mittig durch den Deckel gesteckt. Schiebt man den Deckel auf der Stange nach oben, gibt er den offenen Haken frei, dessen Ende sonst in einer danebenliegenden zweiten Bohrung verschwindet. Das Knödelnetz wird so sicher festgehalten. Durch diese einfache Technik lässt sich der Knödel auch kinderleicht wechseln.

Meisenknödel-Bedachung aus Lärche gedrechselt

Für ein Eichhörnchen ist die gesamte Konstruktion jetzt zu schwer und unhandlich, das Netz lässt sich allenfalls noch zerreissen. Spatzen, die einen „unbedachten“ Knödel sonst gerne von oben anfliegen, haben jetzt das Nachsehen.

Die Meisenknödel sind nun wieder mehr für die Namensgeber da. Alle Arten von Meisen, Kleiber und Spechte haben die Knödel jetzt hauptsächlich für sich. Für Finken sind andere Futterplätze besser geeignet, ob Futterhäuser, -silos oder Streuflächen auf dem Boden.

Erkenntnisse durch genaue Beobachtung

Wer die gefiederten Freunde füttert, sollte daran denken, für die verschiedenen Arten auch unterschiedliches Futter anzubieten. So ist bekannt, dass Zaunkönig, Rotkehlchen, Heckenbraunelle oder Goldhähnchen keine Körner fressen können. Feine, zarte Haferflocken sind hierfür anzubieten sowie Apfelscheiben. Diese „dünnschnäbligen“ Vögel profitieren allerdings auch von den herunterfallenden Fettteilchen der Meisenknödel.

Noch ein wichtiger Tipp: Die Futterstellen sollten unbedingt in Busch- oder Heckennähe angelegt werden. Die Vögel brauchen in unmittelbarer Nähe ein sicheres Rückzugsgebiet vor eventuellen Beutegreifern.

Weitere Details zu meinem Meisenknödel-Dach

Die geschwungene Dachform ist relativ unanfällig gegen Windböen und der untere Rundwulst bietet Halt für die Krallen größerer Vögel, wie etwa dem Specht. Die Bauhöhe inklusive oberem Kugelabschluss gibt der Bohrung eine gute Länge für eine saubere Führung der Drahtstange. Als Wetterschutz habe ich das Holz 2x mit Holzwachs behandelt und lange trocknen lassen. Das darf man gerne im Sommer wiederholen. Das Drahtgestänge ist aus kunststoffummantelten verzinktem Spanndraht. Der Durchmesser des Daches ist groß genug für einen maximalen Wetterschutz des Knödels, aber klein genug für die Meise, damit sie ständig die Umgebung auf etwaige Fressfeinde im Blick halten kann.

Dass meine Meisenknödel-Bedachung eine praktische und sinnvollen Ergänzung am Winterfutterplatz geworden ist, beweisen viele Vögel, die dieses Futtergerät sehr gut angenommen haben. Der dekorative Charakter der gefälligen Dachform ist dabei nur ein Nebeneffekt.

Es folgt eine Bilderreihe, die die Funktion meiner Meisenknödel-Bedachung illustriert.

Ein gut behüteter MeisenknödelMeisenknödel-Dach von obenMeisenknödel-Dach mit PatenthakenZwei Blaumeisen am KnödelBlaumeisen fliegen auf diesen KnödelDie Kohlmeise ist wachsamBlau- und KohlmeiseHochbetrieb am MeisenknödelDiese Blaumeise hat mich entdecktAuch Schwanzmeisen mögen den KnödelDer Kleiber sucht die dicken KerneKleiber kontrolliert kopfüber die GegendDer Buntspecht findet guten HaltEin Eichhörnchen angelt sich einen unbedachten Meisenknödel …Das Eichhörnchen verspeist den Meisenknödel innerhalb einer viertel Stunde

Eine Anmerkung zu Meisenknödeln im Allgemeinen

Der Name Meisenknödel lässt eigentlich vermuten, dass im Knödel auch Futter enthalten ist, das besonders für Meisen geeignet ist. Aufgefallen ist mir allerdings im letzten Jahr schon, dass Meisenknödel teils ungern angenommen wurden. War da Ware vom Vorjahr verkauft worden oder ist der Knödel zu fest verbacken gewesen? Vielleicht war aber auch eine falsche Futtermischung verwendet worden?

Ein Test bringt das schnell ans Licht. Dazu wird einfach ein gekaufter Knödel in einem Topf erwärmt, das Fett verflüssigt sich, wird durchsichtig und gibt den Blick auf den Inhalt frei: Überwiegend Weizen und andere harte Körner, sogar Mais, aber kaum etwas, was Meisen fressen können. Dass damit den Meisen der Appetit vergeht, ist nun klar.

Überwiegend Weizenkörner im Meisenknödel
Übrig bleiben Weizenkörner

Was haben Weizenkörner im Meisenknödel zu suchen?

Nutzen hier Geschäftemacher mit ihrer Profitgier unbedarfte Vogelfreunde auf Kosten der Vögel aus, oder ist das unüberlegter Pragmatismus? Es scheint, man eifert Praktiken nach, die man aus der Lebensmittelbranche noch gut in Erinnerung hat: Schweinefleischanteile in Geflügelwurst, der jüngste Pferdefleischskandal spricht Bände und in unserem Meisenknödel-Fall, so scheint es, wird ausgehend von den vergangenen verregneten Getreideernten auf diese Weise, beispielsweise mit (Futter-)Weizen, eine Art Schadensbegrenzung betrieben – dazu darf sich jeder seine eigenen Gedanken machen.

Meisenknödel selbst herstellen

Die beste Qualität erreicht man, wenn man, wie früher, die Meisenknödel selbst herstellt. Dann kann man nach Bedarf die richtigen Inhaltsstoffe zusammenmischen. Dazu nimmt man vorzugsweise Rindertalg, weil der viel energiehaltiger ist als pflanzliche Fette. Zum Rindertalg gibt man dann noch etwas Sonnenblumenöl dazu, damit er beim Erkalten nicht zu fest wird. Vögel fliegen instinktiv auf Knödel mit tierischen Fetten, wenn sie die Wahl haben. Neben mir bestätigen viele Meisenknödel-Selbstbauer, dass die industriell hergestellten Knödel ungleich sehr viel länger an den Futterplätzen verbleiben, im Gegensatz zu den eigenen Kreationen …

17. März 2013 | | Spezial

Die Schönheit der Dinge lebt in der Seele dessen, der sie betrachtet David Hume